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SRH Oberschule Dresden übernimmt Putzpatenschaft für neue Stolpersteine

Nahe der Schule in Dresden-Lockwitz erinnern seit 7. Mai 2026 Stolpersteine an Opfer des NS-Regimes. Schüler:innen der neunten Klasse werden sich um die Pflege kümmern. Ihr wertvoller Beitrag gegen das Vergessen.

Zu sehen ist ein goldener Stolperstein aus Messing, verlegt auf dem Gehweg.

Das Lokal des Juden Berthold Heim wurde in der Reichspogromnacht zerstört, er musste in ein Judenhaus ziehen, als Einzelreisender die Fahrt nach Theresienstadt antreten und dort Zwangsarbeit verrichten. Als Häftling Nummer 1492 wurde er nach Auschwitz deportiert und vergast.

Berthold Heims letzte Adresse war der Lockwitzgrund 9. Hier, nahe der SRH Oberschule Dresden, wurde ihm zu Gedenken am 7. Mai ein Stolperstein verlegt. Ein zweiter Stein wurde für Dr. Rudolf Ochs vor dem Haus Hermann-Conradi-Straße 9 in Lockwitz verlegt. Dr. Rudolf Ochs war Musiker und Dirigent. Aufgrund jüdischer Großeltern erhielt er Berufsverbot und wurde ebenfalls verfolgt. Er überlebte die NS-Zeit, starb 1951.

Beiratsspende für Recherche der Schicksale 

Es sind die beiden ersten Stolpersteine im Dresdner Stadtteil, die Geschichten und Biografien recherchierte Matthias Daberstiel, der Vorsitzende des Heimatvereins Lockwitz. Eine Spende des Beirates des SRH Berufsbildungswerkes Sachsen unterstützte die Recherche.  

Stolpersteine gelten als größtes dezentrale Mahnmal der Welt. Künstler Gunter Demnig verlegt sie gemeinsam mit Unterstützer:innen vor den letzten frei gewählten Wohnorten von NS-Opfern. Weltweit gibt es mittlerweile rund 116.000 Steine, in Dresden über 400. Hier organisiert der Verein Stolpersteine für Dresden alle Verlegungen. 

Geschichtslehrer Jens Beier aus der SRH Oberschule Dresden ist es ein großes Anliegen, seine Schüler:innen einerseits mit der Geschichte der NS-Zeit und dem Holocaust faktenmäßig vertraut zu machen und sie anderseits dabei zu unterstützen, die Erinnerung lebendig zu halten, aktuelle Bezüge herzustellen und eine eigene Haltung zu entwickeln. “Laut sächsischem Lehrplan für Klasse neun werden im Geschichtsunterricht die NS-Ideologie und der Weg von der Diskriminierung zur Vernichtung der europäischen Jüd:innen thematisiert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ermordung der Jüd:innen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern”, so Jens Beier. Um das Thema zu vertiefen und greifbarer zu machen, besucht er mit Neuntklässler:innen im Februar die Gedenkstätte Theresienstadt in Tschechien. 

Für Toleranz und Menschlichkeit sensibilisieren

Die künftige Pflege der Stolpersteine wird in das bereits bestehende außerschulische Projekt Gedenkfahrt nach Theresienstadt eingebunden. Ab dem kommendem Jahr werden Neuntklässler:innen die Stolpersteine an unterschiedlichen Gedenktagen putzen und pflegen, u.a. am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. “Indem sie sich mit den Schicksalen auseinandersetzen, übernehmen sie Verantwortung für das Gedenken und setzen ein Zeichen gegen das Vergessen. Sie werden für Werte wie Toleranz, Respekt und Menschlichkeit sensibilisiert und ermutigt, Haltung zu zeigen gegen Rassismus und jede Form von Diskriminierung”, so Schulleiter Andrew Milligan.